Asbestgefahr - wie schädlich sind Asbestfasern?

Beim Einsturz des World Trade Centers wurden ca. 2000 Tonnen Asbestfasern freigesetzt. Immer mehr New Yorker erkranken nun an den Folgen dieser kurzzeitigen Asbestexposition. Das Durchschnittsalter eines Ersthelfers am 11. September liegt bei etwa 55 Jahren.

Asbestfasern verursachen irreversible körperliche Schäden

Vor fast 80 Jahren wurden Asbestose und Lungenkrebs aufgrund von Asbestexposition als beruflich bedingt anerkannt. Studien zeigten, dass ein Pleuramesotheliom (Rippenfellkrebs) sehr häufig auf Asbestkontakt der Betroffenen zurückzuführen ist. Das Risiko für Kehlkopfkrebs steigt ebenfalls.
Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass Eierstockkrebs bei Frauen durch Asbestfasern hervorgerufen werden kann. Das Risiko für andere Krebsarten ist nicht auszuschließen, gilt jedoch als unzureichend belegt.
Asbest ist besonders wegen seiner Fähigkeit, Fasern freizusetzen, gefährlich. Beim Einatmen gelangen die Asbestfasern in die Lunge und können bei entsprechender Faserlänge und Dicke tief darin eindringen und sogar das angrenzende Gewebe angreifen (Bauchfell & Eierstöcke). Der Fachbegriff hierfür ist “lungengängig” oder “gewebegängig”.
Asbest ist extrem beständig: Es löst sich in Säuren oder Laugen praktisch nicht auf. Nur bei sehr hohen Temperaturen schmilzt Asbest. Der Körper ist nicht im Stande es biologisch abzubauen.
asbestgefahr lunge vernarbung
Eingeatmete Asbestfasern können von der Lunge nicht mehr abgebaut werden. Die Fasern verursachen chronische Entzündungen und vernarben das Gewebe

Asbestgefahr auch bei kurzzeitiger oder geringer Exposition

Asbestinduziertes Mesotheliom der Pleura (Rippenfell), des Peritoneals (Bauchfell) oder des Perikards (Herzbeutel).:
Das maligne Mesotheliom, meistens des Rippenfells, war in den 80er Jahren eine eher seltene Form von Krebs, nimmt jedoch seitdem stetig zu.
Diese Erkrankung kann bereits bei zeitlich eng begrenzter Exposition oder geringer Konzentration auftreten.
Die durchschnittliche Latenzzeit beträgt ca. 30 Jahre, selten unter 20 Jahre, maximal bis über 60 Jahre, was die Beurteilung der Asbestexposition in der Vergangenheit erschwert.
Quelle: www.bgbau.de
“sie sind potentiell gefährlich, wenn Sie eine Faser Asbest einatmen. Eine Faser reicht
Prof. Dr. Andrea Tannapfel – Leiterin Mesotheliomregister Ruhr-Uni Bochum

Bisher wurde kein Schwellenwert ermittelt, unter dem Asbest nicht mit einem Krebsrisiko verbunden wäre

EU-Entschluß aus dem Jahr 2013

“A. in der Erwägung, dass alle Arten von Asbest gefährlich sind und die gesundheitsgefährdende Wirkung von Asbest dokumentiert wurde und entsprechende Vorschriften erlassen wurden;

in der Erwägung, dass die meisten gesundheitsschädlichen Folgen eingeatmeter Asbestfasern erst Jahrzehnte nach der Exposition auftreten;

B. in der Erwägung, dass eine durch die Europäische Kommission beauftragte Expertengruppe bereits 1977 zu folgendem Schluss gekommen ist: “Es gibt keinen abstrakten Nachweis für eine Expositionsschwelle, unterhalb welcher es nicht zum Entstehen von Krebs kommt. Eine sichere Expositionshöchstgrenze wurde für Asbest nicht ermittelt”;

in der Erwägung, dass diese Stellungnahme im Laufe der Jahre durch alle relevanten wissenschaftlichen Beratungsgremien bestätigt worden ist, in der Erwägung, dass vor Gericht allgemein anerkannt wird, dass es keine bekannte Expositionsschwelle für Asbest gibt, unterhalb der kein Risiko besteht;

C. in der Erwägung, dass es in Richtlinie 1999/77/EG heißt: “Bisher wurde noch kein Schwellenwert ermittelt, unter dem Chrysotilasbest nicht mit einem Krebsrisiko verbunden wäre”, und “Ein wirksames Mittel zum Schutz der menschlichen Gesundheit besteht darin, die Verwendung von Chrysotilasbestfasern sowie von Erzeugnissen, die diese Fasern enthalten, zu untersagen”;

D. in der Erwägung, dass bei Bevölkerungsgruppen, die sehr geringen Mengen an Asbestfasern, einschließlich Chrysotilfasern, ausgesetzt waren, ein erhöhtes Krebsrisiko beobachtet wurde;”

Vorgaben zur Asbestsanierung wurden 2012 verschärft

Obwohl sich das Asbest-Ausbauverfahren ohne Faserfreisetzung als zuverlässig erwies, bei dem Floorflex-Platten entfernt und der asbesthaltige Kleber unter einer Versiegelung verbliebt, änderte das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitssutz und technische Sicherheit (LAGetSi) 2012 die Ausbauvorgaben.

Am 11. Juli 2012 trat die neue Ausbauvorschrift in Kraft, die nun zusätzlich die Entfernung des Klebstoffs mittels eines Schleifprozesses beinhaltet.

Das “Verfahren geringer Exposition" ist nun Pflicht, welches zu einer erhöhten Freisetzung von Asbestfasern während der Asbestsanierung führt. Der technische und finanzielle Aufwand ist erheblich gestiegen.

Nicht nur die Arbeiter sind dadurch einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt. Das neue Verfahren gefährdet auch die unmittelbare Umgebung, da eine Faserfreisetzung durch Staubentwicklung während der Sanierung nicht ausgeschlossen werden kann.
Quelle: www.haufe.de

Asbestgefahr: zunehmende Asbesterkrankungen im Privatbereich

“Beispiel Heimwerker: Sie schlagen Eternitplatten vom Dach ihres Holzschuppens ab. Sie nehmen Radiatoren von der Wand, die mit Asbestfasern isoliert sind. Oder sie versuchen Kacheln von der Wand zu entfernen, die mit asbesthaltigem Kleber angeklebt sind.

Sie atmen dann also die Fasern ein, ohne es zu wissen und können sich dann auch nicht schützen. Und deswegen geht man davon aus, dass zwar die gewerblich assoziierten bösartigen Asbesterkrankungen leicht abnehmen, aber die zunehmen, die sie sich in ihrer Freizeit, also nicht beruflich, zugezogen haben.“
Prof. Dr. Andrea Tannapfel – Leiterin Mesotheliomregister Ruhr-Uni Bochum

Mieter sind einer potenziell Tschernobyl-ähnlichen Gefahr ausgesetzt

Asbest ist in der Gesellschaft ähnlich verankert wie Atommüll” Martin Müller – Asbest – die tödliche Faser

Asbest und Plutonium besitzen sehr ähnliche Eigenschaften. Asbest kann vom Körper nicht mehr abgebaut werden, Plutonium nur schwierig.

Von beiden Giftstoffen reichen geringe Mengen um eine lebensbedrohliche Krankheit hervorzurufen. Die Sicherheitsmaßnahmen bei der Handhabung sind ähnlich streng (siehe Sicherheitsvorkehrungen bei einer Asbestsanierung).

Mieter, die ohne zu wissen eine Wohnung mit asbesthaltigen Baustoffen renovieren, finden sich deshalb in einer ähnlich gefährlichen Situation wie jemand, der ohne Schutz einen radioaktiv verseuchten Ort betritt. Die Asbestgefahr wird oftmals unterschätzt. 
asbest plutonium

Asbestgefahr - Fazit

Für manche scheint die Asbestgefahr abstrakt zu sein. Ähnlich wie bei der Radioaktivität, kann man Asbestfasern nicht sehen oder riechen. Hinzu kommt die relativ lange Latenzzeit (ca. 20-60 Jahre). Manche sprechen sogar von Asbest Panikmache oder Asbest Angstmacherei.

Experten sind sich jedoch einig. Nicht umsonst wurde die Verwendung von Asbest in vielen Ländern verboten (EU weites Asbestverbot seit 2005). Asbest ist ein hochgiftiger Stoff, der nicht in die Atemluft gelangen darf. Im Licht der Erkenntnisse kann von Asbest Panikmache oder Asbest Angstmacherei überhaupt keine Rede sein. 

Wie im Artikel erwähnt, kam eine von der EU beauftragte Expertengruppe schon 1977 zu dem Schluss, das es bei Asbest keine Expositionsschwelle gibt, unterhalb der Krebs nicht entstehen könnte. Diese Stellungnahme wurde im Laufe der Jahre durch alle relevanten wissenschaftlichen Beratungsgremien bestätigt. Auch vor Gericht ist es anerkannt, dass es keine Expositionsschwelle für Asbest gibt, unterhalb der kein Risiko besteht. 

Jede eingeatmete Asbestfasern kann verheerende gesundheitliche Folgen haben. Die Sicherheitsmaßnahmen für dem Umgang mit Asbest sind nicht umsonst so streng.

Durch die fehlende Kennzeichnung von asbestbelasteten Wohnhäusern und der mangelnden Informationspolitik der Vermieter, sind Mieter nach wie vor einer hohen Asbestgefahr ausgesetzt.

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